Sie trafen sich hier und da in den Häusern

Sie trafen sich hier und da in den Häusern…

„Endlich können wir uns mal wieder sehen, persönlich miteinander reden, mitein-ander Bibellesen & Gottesdienst feiern. Schön, dass Du gekommen bist.“ Solche Sätze habe ich in den letzten Tagen mehrfach gehört. Es tut gut, einander zu begegnen, die Stimme des anderen unmittelbar zu hören, seine Anwesenheit zu spüren.

Soziale Kontakte auf ein Minimum zu beschränken, ist ein tiefer Angriff auf unser Menschsein. Die Diskussion der letzten Wochen hat immer wieder darauf hingewie-sen: Es geht nicht um ein Verbot sozialer Kontakte. Denn diese sind gerade jetzt lebensnotwendig. Aber sie sollen ohne körperliche Nähe gepflegt werden.

Doch auch das ist ein Riesenproblem. Selbst für gesunde, ganz normale Menschen, ist körperliche Nähe unersetzlich. Eine amerikanische Familientherapeutin des 20. Jahrhunderts. stellte folgende These auf: „Wir brauchen vier Umarmungen pro Tag zum Überleben. Acht Umarmungen pro Tag, um uns gut zu fühlen und 12 Umarmungen pro Tag zum innerlichen Wachsen.“

In einer Zeitschrift las ich dazu: Was die Therapeutin aus Beobachtungen erkannte, beweisen heutige Studien: Berührungen (egal, ob vertrautes Kuscheln oder ehrliche Umarmung) sind für die Gesundheit so essenziell wie essen und schlafen. Umarmungen helfen dem Immunsystem, können Depressionen lindern. Sie beleben den ganzen Menschen. Untersuchungen zeigen:

  • Sport-Mannschaften mit viel Körperkontakt sind erfolgreicher.
  • Je älter wir werden, desto wichtiger sind Umarmungen, so Experten: Sie nehmen die Einsamkeit, und beruhigen.

Seelsorger, Psychologen, Verhaltenswissenschaftler und Soziologen machen auch in der Zeit vor Corona darauf aufmerksam: Menschliche Nähe, körperliche Berührung ist lebensnotwendig. Was passiert, wenn all das fehlt? Menschen sterben dann nicht am Covid-19-Virus, sondern an Berührungsmangel und Vereinsamung.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Wir sind als Gemeinschaftswesen geschaffen. In der Bibel finden wir viele Hinweise darauf. Wir können jetzt gar nicht alle untersuchen.

Das Thema für heute ist: Sie trafen sich hier und da in den Häusern…

Für uns als Gemeinde beschreibt das ziemlich genau, wie die letzten Wochen bei uns gelaufen sind. Sie trafen sich hier und da in den Häusern… Mit Andachten in Familiengemeinschaft haben wir geistliches Leben in unsere Gemeinde gepflegt. So ist es auch noch einmal für viele an diesem Sonntag.

Wie ist es Dir dabei gegangen? Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Seid ihr in kleiner Runde gut ins Gespräch gekommen? Habt Ihr vielleicht intensiver als im Gemeindegottesdienst miteinander gebetet? Fragen diskutiert, die in großer Runde kaum angesprochen werden?

War es ganz praktisch, den Podcast zu jeder beliebigen Zeit abrufen zu können? Oder gute Angebote anderer Gemeinden zu nutzen? Jemand erzählte mir: „Ich habe noch nie so viele Predigten und Gottesdienste gehört, wie in den letzten Wochen.“

Es gibt eine kostbare & jeder Zeit abrufbare Vielfalt im Internet. Man könnte sich fragen: Warum gibt es Menschen, die noch nicht von Jesus begeistert sind und ihm nachfolgen? – Klar, die Seiten mit der Guten Nachricht von Jesus bilden nur einen kleinen Anteil im world wide web. Wer sie sucht, der findet sie.

Daneben gibt es unzählige verlockende, faszinierende und fesselnde Angebote. Angebote, die sogar damit werben: „Spiel dieses Spiel, und du weißt, warum andere süchtig danach sind.“ Es gibt Angebote jeder Art für jedes Alter…

Hast Du vielleicht die Zeit mit den vielen gestrichenen Terminen genossen? Es ist sehr gut, mal innezuhalten und dem nachzuspüren, was uns wirklich wichtig ist. Was fehlt Dir und mir eigentlich, wenn vieles wegfällt? Worauf sind Du und ich ganz und gar nicht bereit zu verzichten?

+ Du kannst diese Bilanz nur für Dich selbst ziehen. Lass Dich dazu herausfordern. Und sprich am besten mal mit Jesus und einem guten Freund darüber.

Sie trafen sich hier und da in den Häusern – Diese Formulierung ist mir seit langem sinngemäß aus der Apg. im Kopf – kombiniert aus zweit Texten:

Apg 2,46: Tag für Tag waren sie einmütig im Tempel zusammen, trafen sich in ihren Häusern zum Brechen des Brotes und zu gemeinsamen Mahlzeiten.

Apg 5,42: sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus.

In Apg 2 wird beschrieben, wie es mit Gemeinde von Jesus angefangen hat: Erfüllt vom Heiligen Geist erklären Petrus und die anderen Apostel der aufmerksamen Menge die Gute Nachricht von Jesus. Er war nicht nur der Mann aus Nazareth, sondern Gottes Sohn und der lang verheißene Messias.

Viele – 3000 Mann – nehmen an diesem Tag die rettende Botschaft der Apostel an. Sie glauben an Jesus & lassen sich taufen. Ab Vers 42 erfahren wir, wie sie dann als Christusnachfolger leben: Sie sind in eine einzigartige & große Gemeinschaft gestellt. Als Kinder Gottes leben sie in der Liebesbeziehung zu Gott, dem Vater von Jesus.

Zusammen mit Gott Vater & Sohn Jesus sind sie alle Familie Gottes. Ihr ganzes Sein ist dadurch verändert. Sie sind neue Kreaturen in Christus – wie Paulus es schreibt (2. Kor 5,17) Das wirkt sich aus. Liebe entfaltet sich dort, wo sie gepflegt wird. Das gilt auch in der Beziehung zwischen Gott und uns.

Folgendes gehört für die ersten Christen zum Leben mit Jesus dazu: Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der geschwisterlichen Gemeinschaft und im Brechen des Brotes und im Gebet. (42)

Kurz und knapp sind hier schon mal 4 wesentliche Punkte zusammengefasst:

  1. Sie ließen sich von den Aposteln… unterweisen. Das waren die Männer, die 3 Jahre intensiv mit Jesus zusammen waren. Sie vermitteln den anderen, was sie von Jesus gehört und mit ihm erlebt haben: über den Umgang mit Menschen, wie beten, vergeben, helfen geht. Wer Gott, der Vater ist, wie er handelt. – Heute finden wir die Lehre der Apostel in der Bibel und in Lehre, die sich an Bibel als Gottes Wort orientiert.
  2. Geschwisterliche Gemeinschaft: Das ist nicht nur ein Treffen von gleich Interessierten, die mal über alles reden. Nein, das griech. Wort für Gemeinschaft beinhaltet tiefe, innere Verbundenheit, die auf Austausch: Anteilnehmen und Anteil geben zielt. Wenn einer sich freut, freuen sich alle anderen mit. Fall einer leidet, leiden alle anderen mit. Einer steht für den anderen ein & unterstützt ihn. Sie behalten sich im Blick, nehmen Rücksicht, sind zuvorkommend – sorgen füreinander – jeder steuert etwas nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten bei. Ein intensiveres Miteinander, zwischen Menschen, die nicht zu einer Familie gehören, ist kaum denkbar!
    Nachfolger von Jesus haben sich zu allen Zeiten getroffen – selbstverständlich. Während der Pest oder unter Verfolgung. Sogar in den KZs. Wenn es irgendwie ging, kamen die Anhänger von Jesus zusammen. Denn Jesus selbst hat versprochen: „Wo sich zwei, oder drei in meinem Namen treffen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20)
    Es geht also nicht „nur“ um menschliche Nähe, die wir auch dringend nötig haben. Sondern in der Gemeinschaft der Kinder Gottes, begegnen wir Jesus und seinem Vater persönlich! Christus, der in Dir und mir wohnt, kommt uns dabei besonders nahe. Deshalb ist die Gemeinschaft so wichtig.
    >> Was gehörte noch zum Leben der ersten Christen dazu?
  3. Das Brechen des Brotes. Das ist kein platonischer Gedankenakt, sondern eine ganz besondere Form der Gemeinschaft, die direkt auf Jesus ausgerichtet ist. ER hatte mit seinen Jüngern viele Male Brot geteilt. Bei den alltäglichen Mahlzeiten, aber auch zu ganz besonderen Anlässen: z. B. der Speisung der 5.000 und dann am letzten Abend mit seinen Jüngern, vor seiner Kreuzigung.
    Jesus war das enorm wichtig! Er hatte sich sehr danach gesehnt. Dann verknüpfte er das Teilen von Brotes & Kelch mit seinem eigenen Leben und Sterben. Er ordnete an: Feiert dieses Mahl immer wieder!
    Brot und Kelch miteinander zu teilen (Abendmahl feiern) ist also direkter Auftrag von Jesus an seine Jünger. Und es geht noch weiter. Jesus versprach: Ich werde das Mahl erst wieder in Gottes neuer Welt mit euch feiern! Ja sogar, im Himmel ist das von Bedeutung. Miteinander essen, Brot und Kelch mit Jesus an einer Festtafel teilen – in leibhaftiger Gemeinschaft.
  4. Anschließend wird das geistliche Atemholen benannt: Beten = Reden mit Gott über alles: Loben, danken, verkünden, wer Gott ist und sein Sohn – aber auch: um Vergebung bitten & um das tägliche Brot – alles, was wir zum Leben brauchen. Darin hatte Jesus sie geschult – und das sollten sie weiter pflegen.

Wo das Reden miteinander, das Hören aufeinander eingestellt wird, da zerbricht die Beziehung. – So ist es auch zwischen Gott und uns. Deshalb ist Beten so wichtig.

In den Versen danach lesen wir, was dabei rauskam:

43 Jeden Einzelnen ergriff eine tiefe Ehrfurcht vor Gott, und durch die Apostel geschahen viele Wunder und außergewöhnliche Zeichen.

Eine großartige Achtung vor Gott breitet sich aus. Respektvoll wird über IHN geredet. Mit seiner Kraft und seinem Einfluss gerechnet. Darauf vertraut. Und Menschen erleben, dass ER handelt. Täglich kommen andere dazu, um auch Jesus nachzufolgen. Die Gemeinde lebt evangelistisch, sie teilt mit den Menschen um sie herum, was sie von Jesus empfangen hat.

46 Tag für Tag waren sie einmütig im Tempel zusammen, trafen sich in ihren Häusern zum Brechen des Brotes und zu gemeinsamen Mahlzeiten. Alles geschah mit jubelnder Freude und redlichem Herzen.

Hier sehen wir, wie die Treffen in kleinen Gruppen in den Häusern ganz natürlich durch das Treffen in großer Versammlung im Tempel ergänzt wird. Beides gehört zusammen. Die vertraute, persönliche Begegnung in häuslicher Gemeinschaft und das gemeinsame Lob Gottes sowie die Lehre in der großen Gemeinde.

In beidem schöpfen die Christusnachfolger Kraft.

Ich wünsche mir keine Gemeinde: In der sich alles nur in einem wöchentlichen Gottesdienst abspielt. Aber auch keine, in der das ganze Gemeindeleben immer in einer Runde von 4 bis 6 Personen läuft. Gott sei Dank! Wir haben beides. Der Bereich der Kleingruppen ist uns für dieses Jahr besonders auf dem Herzen.

Heute haben wir schon mal gesehen, worauf ankommt: Biblische Lehre – Gemeinschaft – Brotbrechen – Beten – und das Zeugnis nach außen! Lasst uns bei

nächster Gelegenheit zusammen tragen, welche Erfahrungen wir gemacht haben. Vielleicht erzählst Du im nächsten Gottesdienst, was Du mit Glaubensgeschwistern in den letzten Wochen erlebst hast. Bitte teile mir vorher mit, wenn Du einen Beitrag hast.

Heute lade ich Dich ein, für Dich selbst zu bilanzieren, wie die letzten Wochen für Dich gelaufen sind. Was ist Dir besonders wichtig geworden. Wo hast Du Deine Priorität gesetzt? Wie gesagt: Sprich am besten mit Jesus und einem guten Freund darüber. UND:

Lasst uns miteinander neu festhalten, wie kostbar und lebenswichtig unsere Gemeinschaft durch Christus ist.

AMEN!