Gott ohne Raum?

Gott ohne Raum? – Bist Du über dieses Predigtthema für heute gestolpert? Fragst Du Dich vielleicht jetzt, warum ich es ausgerechnet so formuliert habe? Oder ist es Dir gar nicht aufgefallen?

In abgewandelter Form hat dieser Satz vor über 90 Jahren zur Verführung unseres Volkes beigetragen. „Volk ohne Raum“ lautete damals das Motto. Unter dieser dreisten Lüge verbreiteten die Nationalsozialisten ihre menschenverachtende und mörderische Ideologie…

– Millionenfach wurde ihr geglaubt; sie hat entsetzlichen Schaden angerichtet. Nicht zuletzt, weil diese irrige Annahme auch noch konsequent territorial angewandt wurde. Wird Menschen ein Mangel eingeredet, kann das radikale Kräfte freisetzen.

Gott ohne Raum? Diese Frage liegt für mich komplett auf einer anderen Ebene. Mein Ziel ist, dass sie Dich und mich zum Nachdenken bringt & einiges in unserem Leben verändert – zum Guten für Dich, mich, und viele andere darüber hinaus!

Gott ohne Raum? auf diese Frage gibt es verschiedene Antworten:

1.) Gott hat Raum genug

Natürlich: Ihm gehört alles, er hat alles geschaffen – das unvorstellbar große Uni-versum – Weltraum. Viele Wissenschaftlicher sind sich ja heute darin einig: Er wird immer größer – bisher.  Irgendwo ganz weit da draußen hat er aber auch ein Ende.

Für mich ist klar: Auch dahinter hat Gott Zugang. ER kann dort tun & lassen, was er will. Gott ist allgegenwärtig. Nirgends ist ihm Zutritt verweigert, oder?

2.) Gott meldet durch seine Propheten Raummangel an

  1. B.: Wir schreiben das Jahr 520 vor Christus. Teile Jerusalems liegen noch in Trümmern. Darunter der Tempel, das Haus des Herrn, der Treffpunkt, um Jahwe, den Gotte Israels, anzubeten. Er gleicht immer noch einem Ort der Verwüstung. Doch einige gut Betuchte leben bereits wieder in schicken Häusern.

Haggai hat folgende Botschaft (Haggai 1, NeÜ):

2 „So spricht Jahwe, der allmächtige Gott: ‚Dieses Volk behauptet, die Zeit sei noch nicht reif, das Haus Jahwes zu bauen.'“ … ABER …: 4 „Für euch ist es offenbar nicht zu früh, in getäfelten Häusern zu wohnen, während mein Haus noch in Trümmern liegt! 5 Nun sagt euch Jahwe, der allmächtige Gott: ‚Überlegt doch einmal, was mit euch passiert! 6 Ihr habt reichlich gesät, aber nur wenig geerntet; ihr esst, werdet aber nicht satt; … ; ihr zieht euch an und werdet doch nicht warm; und wer etwas verdienen kann, dem zerrinnt es zwischen den Fingern.‘ 7 Darum sagt Jahwe, der allmächtige Gott: ‚… 8 Geht ins Gebirge und schafft Holz herbei und baut den Tempel wieder auf! Daran werde ich mich freuen und damit ehrt ihr mich! 9 Ihr habt viel erhofft und wenig erreicht, und was ihr heimbrachtet, blies ich euch aus der Hand. Und weshalb das alles?‘, sagt Jahwe, der allmächtige Gott. ‚Weil mein Haus in Trümmern liegt und jeder von euch nur für sein eigenes Haus rennt.

Eine klare Ansage für die Leute von damals: Kümmert Euch nicht nur um Euren eigenen Kram…, sondern setzt Euch für Gottes Anliegen und seine Ehre ein! – In diesem Fall: Baut sein Haus wieder auf! Schafft buchstäblich Raum für Gott!

Haggai erlebte dann etwas Wunderbares: Der Statthalter Serubabel, der Hohepriester Jeschua und das Volk von Jerusalem – sie alle sind erschüttert und nehmen Gottes Worte zu Herzen. Bereits 3einhalb Wochen später beginnen sie hochmotiviert die Aufräum- und Aufbauarbeiten am Haus des Herrn.

An anderen Stellen wird deutlich: Es geht Gott nicht nur um’s Gebäude. Zur Zeit Jes. stand 1. Tempel noch.  Die Gottesdienste liefen – ja es wurde auch ordnungsgemäß geopfert und gefastet. Doch Gott schätzt durch seinen Propheten Jes (29,13f) ein:

… Dieses Volk ist nur mit dem Mund nah bei mir, es ehrt mich mit den Lippen, aber sein Herz ist weit von mir fort. Ihre Gottesfurcht ist ja nur angelerntes Menschengebot. 14 Deshalb will ich auch in Zukunft seltsam handeln an diesem Volk, wunderlich und wundersam, dass die Weisheit seiner Weisen vergeht und der Verstand ihrer Verständigen verfliegt. (NeÜ)

Der Tempel ist wichtig = ein Zeichen, Symbol der Gegenwart Gottes: er bietet Raum für das Eigentliche. Auch die Gottesdienste, Opfer & das Fasten sind bedeutsam: Sie sollen die Menschen erinnern und dabei unterstützen, dass sie mit ihren Herzen immer wieder bei Gott ankommen. Aber die Bilanz Jesajas raubt alles Illusion:

Mit dem Mund kann jemand von Gottes Güte sprechen und IHN mit Worten loben – das alles  ist erlernbar. Innerlich sind die Leute in Jerusalem zu dieser Zeit nicht dabei. Im Alltag machen sie, was sie wollen, ohne nach IHM zu fragen, kritisiert Jesaja nicht nur hier.

Übrigens: Jesus zitiert diese Worte in einer seiner aufrüttelnden Reden an die Pharisäer und Schriftgelehrten (vgl. Matthäus 15,8f).

Gott hat bei uns Menschen nicht Platzmangel räumlicher Art, sondern oft Platzman-gel auf der Herzensebene. IHM geht es nicht um territoriale Ausbreitung – schon gar nicht mit Gewalt. Gott sucht von Anfang an das Herz des Menschen.

In Deinem und meinem Herzen hat Jesus nicht automatisch Zugang, sondern nur, wenn wir IHM Zutritt gewähren. Mit Deinem & meinem Herzen baut Jesus dann sein Reich, das nicht von dieser Welt ist (vgl. Johannes 18,36).

3.) Gott wünscht sich Dein & mein Herz / sucht Raum in deinem & meinem Herzen

Das Herz ist das Kostbarste, was wir haben. Nicht nur der Muskel, der kraftvoll Blut als Lebenssaft durch unseren Körper pumpt. In der Bibel bedeutet Herz unser ganzes Inneres, das für keinen Menschen offenbar ist. Unsere Gedanken, Absichten, Motive – wie wir ticken, was uns wichtig ist, was Dich & mich erfreut oder uns traurig macht.

Warum wir wo und wie Prioritäten setzen und Entscheidungen treffen: Wofür wir unser Geld – unserer Zeit – unsere Aufmerksamkeit investieren. Das alles gehört zu unserem Herzen.

Gott weiß das alles zwar von uns – für ihn sind wir durch und durch transparent. Aber ER wünscht sich, dass wir IHN bewusst in unser Inneres einlassen und IHM Hausrecht gewähren. Jesus drängt sich dabei nicht auf. Offenbarung 3, 20 bringt

seine Art treffend zum Ausdruck:

Siehe, ich stehe vor der (Herzens)tür und klopfe an. (Diese Tür lässt sich nur von innen öffnen!)  Jesus verspricht: wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir. (EB)

Hier kommt es zu einer Begegnung mit Jesus im echten Leben – ganz natürlich wie beim Essen & Trinken. Er spricht mit Dir über Deine alltäglichen Fragen & Nöte, wie es Dir wirklich geht – kommt in Deinen Alltag, um zu trösten, neue Kraft zu verleihen.

+ Viele von uns haben sich grundsätzlich bereits  entschieden. „Ja Jesus, komm rein… Du bist herzlich bei mir willkommen!“ Doch trotzdem können wir Entscheidungen ohne ihn treffen. Am besten wir laden ihn täglich ein, uns und unseren Tagesablauf zu beeinflussen.

+ Wenn Du Deine Herzenstür noch gar nicht für Jesus geöffnet hast – probier es einfach aus, wenn er anklopft. Lade ihn ein, in Dein Leben hineinzukommen.

Falls Du Dich schon für ein Leben mit Jesus entschlossen hast, es aber noch keiner weiß: Dann offenbare Dich, erzähle es anderen und lass Dich taufen.

>> Was will Jesus mit Deinem / meinem Herzen?

Klar: Es geht nicht um eine kleine Ecke auf dem Dachboden… – sondern um den „Familientisch“ – an dem die Entscheidungen getroffen werden. Es geht nicht um einzelne Momente – sondern um unser ganzes Leben.

Jesus will nicht eine Stimme neben vielen sein, sondern den Ton angeben – sagen wo es lang geht. Er will Dich führen & für Dich sorgen. ER weiß am besten, was wir brauchen. Würde uns nie etwas Schädliches vorschlagen. Von IHM kommt nur, was zu unserem Besten dient… Deshalb ruft er immer wieder: Folge mir. Nicht als Marionette, sondern von ganzem Herzen.

In Bibel wird die Herzensbeziehung zwischen Gott und uns vielseitig beschreiben. Ein markanter Begriff im Neuen Testament, ein Schlüsselwort ist Koinonía (Dt. = Gemeinschaft): K. beschreibt das Verhältnis zwischen Gott und uns – aber auch wie ir als Gotteskinder untereinander verbunden sind. Während des Gemeindebibelabend (16.07.) haben wir uns intensiv damit beschäftigt: GEMEINSCHAFT – Gottes geniale Erfindung. >> Warum?  Sie  ist einzigartig.  Koinonía bedeutet ein Dreifaches: Gemeinsam…

  1. Anteil an etwas haben – Göttliches Erbe: Heiliger Geist, Rettung, Zukunft bei Gott.
  2. Anteil nehmen – Vergebung, Liebe, Kraft, Rat, Fürsorge, Trost empfangen.
  3. Anteil geben – Leid anderer mittragen, für sie da sein, dienen, unterstützen.

Das alles gehört für jeden von uns persönlich zur Gemeinschaft mit Gott Vater – Sohn  und Heiligem Geist und zu unserer Gemeinschaft untereinander. Wer sich der Koinonía entzieht, sperrt Gott aus seinem Leben aus.

  1. = absolut kostbares Geschenk. In der Apostelgeschichte lesen wir: Die Nachfolger von Jesus haben es täglich miteinander geteilt und empfangen. Neben der Lehre der Apostel, dem Brotbrechen & Gebet, war die gelebte Koinonía Hauptkennzeichen der ersten Christen. Koinonía ist der Raum, in dem Dir & mir der dreieinige Gott begegnet (und wir einander).

So hat Gott es beschlossen. Wir könnten uns eine Reihe von Bibelstellen ansehen, die das genauer beleuchten (z. B. Epheser 5, 18 – 20 / 1. Johannes 1, 3-7). Dazu haben wir jetzt nicht die Zeit. – Bevor es gleich eine Frage zum Mitnehmen und Weiterdenken gibt, lasst uns kurz das Wichtigste festhalten.

Gott ohne Raum? – Diese Frage wird für Dich und mich zur persönlichen Frage. Die lebenswichtige Gemeinschaft (Koinonía) geschieht nicht im luftleeren Raum und von allein. Eine Schlussfolgerung des Gemeindebibelabends war:

„Gemeinschaft benötigt Raum in Dir und mir. Ich muss Platz lassen, mich unterbrechen lassen im Alltag. Den normalen Ablauf vorübergehend aussetzen.“

Den  Fernseher oder das Handy ausschalten. Unterhaltungslektüre zur Seite legen. Auch alle Gedanken an die Arbeit oder familiäre Herausforderung mal pausieren lassen – so wichtig sie auch sind. Nochmal aus dem Haus gehen. Zeit investieren. Aufmerksam werden – andere aufsuchen.

+ Wir haben wohl alle schon erlebt, wie gut uns das selber tut, oder?

Das andere: Uns selbst in die Stille zurück ziehen. Mit der Bibel, betend, auf Jesus ausgerichtet. Meine Gedanken und Ideen von ihm beeinflussen lassen. Ganz gezielt. So gelingt es viel besser, Jesus auch bei den alltäglichen Dingen an meiner Seite zu wissen, seinen Rat und Trost zu erfahren – mich mit IHM zwischendurch zu freuen.

Nun die Frage zum Mitnehmen und Weiterdenken:

  • Wo schaffst Du Raum für Gott in Deinem Leben? Raum für die tägliche Herzensbegegnung mit Ihm und Deinen Glaubensgeschwistern?

Du bist hier im Gottesdienst, Klasse! Du bist gekommen, um Abendmahl mitzufeiern, das ist richtig gut. Und um in Lieder des Lobpreises einzustimmen. Das ist wunderbar. Oder Du hast den Podcast eingeschaltet – um von zuhause aus dabei zu sein. Sehr schön.

Mit der Frage fordere ich Dich heraus, tiefer in Deinem Alltag nach guten Möglichkeiten zu suchen, Jesus und anderen Gotteskindern zu begegnen. Nimm die Frage mit und mach was draus – am besten in den nächsten dreieinhalb Wochen. Und erzähle dann, was Du dabei erlebst.                                                                     AMEN!