Gnade ohne Ende? Gott – einzigartig

Micha 7,18-20

Das Lied, das wir gerade gesungen haben, war bereits fast der ganze Predigttext für heute. „Wo ist solch ein Gott…“ – diese Frage kommt aus dem biblischen Buch Micha, das 6. der sogenannten 12 kleinen Propheten.

Der Name Micha ist die Kurzform von Michael >> Wer weiß, was Michael bedeutet?

Michael = Wer ist wie Gott?

In Bibel lesen wir von 9 verschiedenen Männern mit dem Namen Micha. Das Buch Micha ist nach dem Propheten Micha benannt. Hier finden wir seine Botschaft. Sein Name war Programm. Er kam, um zu zeigen, wie einzigartig der Gott Israels ist.

Dieser Micha lebte im 8. Jahrhundert v. u. Z. Er wirkte 740 und 686 v. C.. Zu der Zeit regierten: Jotam, Ahas und Hiskia als König. Jesaja wer ein Prophetenkollege. Gott sandte die Propheten, um den Königen und dem Volk ins Gewissen zu reden, denn sie und das Volk drifteten immer wieder von Gottes Wegen ab:

  • Sie beteten irgendwelche Götzen an. Suchten andere Sicherheiten anstatt auf ihren Gott Jahwe ganz zu vertrauen: Setzten auf Reichtum & Erfolg und auf Beziehungen zu fremden Machthabern.
  • Lug, Betrug, Missgunst & Egoismus zersetzten das Leben in vielen Bereichen.
  • Arme & einsame Menschen wie Waisen, Witwen & Ausländer wurden systematisch benachteiligt.

Auf das alles machten die Propheten aufmerksam. Politisch gesprochen bildeten sie die Opposition der Könige. Sie legten den Finger in die Wunden der Gesellschaft – und wurden dafür nicht unbedingt freundlich behandelt.

Im Auftrag Gottes kündigten sie gravierende Katastrophen an. Z. B. Dürre oder sogar den Verlust des Landes durch feindliche Kräfte. So auch Micha. Er kritisierte vor allem seine bestechlichen Pseudokollegen. Sie verkündeten nur, was der gerade amtierende König hören wollte.

Ansonsten beklagt Micha noch: Gewalt, Diebstahl, Korruption, Habsucht, rücksichtslosen Materialismus, geistliche Leere und unerlaubte sexuelle Kontakte. Er selbst erlebt mit, wie die Assyrer, Israel und seine Hauptstadt Samaria überwältigten. Viele gerieten in Gefangenschaft.

Drei Reden, die König & Volk aufrütteln sollen, finden wir im Buch Micha. Am besten Du liest das Zuhause in Ruhe nach. Z. T. sträuben sich die Haare, wenn wir das lesen. – Manches ist heute genauso aktuell.

+ Unsere drei Verse, die wir gerade gesungen haben, stehen ganz am Ende, des Buches. Hier leuchte noch einmal Hoffnung auf für das Volk, das sich wieder einmal weit von Gott entfernt hat.

18 Wer ist solch ein Gott wie du, / der dem Rest seines Eigentums die Schuld vergibt und die Vergehen verzeiht! / Du hältst nicht für immer an deinem Zorn fest, / denn du liebst es, gnädig zu sein. 19 Er wird wieder Erbarmen mit uns haben, / er wird niedertreten unsere Schuld! / Ja, du wirfst all unsere Sünden / in die Tiefen des Meeres hinab. 20 Du wirst Jakobs Nachkommen Treue zeigen, / dem Volk Abrahams deine Gnade, / wie du es schon unseren Vätern zugesagt hast / mit einem Eid in uralter Zeit. © 2019 by Karl-Heinz Vanheiden (Textstand 19.10) www.derbibelvertrauen.de

>> Was ist der Zorn Gottes?

Zorn Gott ist nicht vergleichbar mit dem unkontrollierten Aufbrausen eines Menschen, dem gerade mal wieder etwas nicht passt. Gottes Zorn hängt mit seiner Heiligkeit zusammen. Gott ist durch und durch gut. Sein Wiesen ist Liebe und Treue. Er ist absolut gerecht. Das bedeutet: ER duldet kein Unrecht. Überall, wo Unrecht passiert, sind sein richterliches und strafendes Handeln gefragt.

Ziel dabei ist hier auf dieser Erde: Menschen wieder auf den richtigen Weg und in geheilte Beziehung zu Gott zu bringen.

Das Volk Israel ging immer wieder eigene Wege, ohne nach Gott zu fragen. Die Propheten bezeichneten das als Ehebruch gegenüber Gott. – Eheliche Liebe ist ausschließlich. Wird sie verletzt, kommen Ärger, Wut, Angst und Trauer auf – das liegt in der Natur der Liebesbeziehung. Da ist kein Platz für eine dritte Person.

So ähnlich ist es auch, zwischen Gott und seinem Volk: Gottes einzigartige Liebe erwartet naturgemäß, dass sein Volk ihm ganz zugewandt ist und bleibt. Alles andere ist Treuebruch ihm gegenüber und wird zurecht geahndet. Aber es liegt Gott fern, sein Volk auf Dauer unter seiner Strafe leiden zu lassen.

Er hält an seinem rechtmäßigen Zorn nicht ewig fest – heißt es, sondern liebt es viel mehr: gnädig zu sein und sich über sein Volk zu erbarmen. Gott lässt sich die Not seiner Leute „an die Nieren gehen“. – Heißt das nun: Gnade ohne Ende…?

Im Lied haben wir gesungen: Jahwe wird sich unser wieder erbarmen… unsere Schuld unter seine Füße treten. Und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres… Das klingt beinahe allumfassend.

Der biblische Text ist da etwas präziser. >> Ist Dir vielleicht schon aufgefallen? Dort steht: „dem Rest seines Eigentums“ vergibt und verzeiht er. D.h.: Es gab große Verluste. Viele sind nicht mehr am Leben, sondern wurden durch Krieg und Verfolgung hinweggerafft. Überlebende verschleppt.

„Euch, liebe Leute in Jerusalem und Juda (Südreich), wird es ähnlich ergehen, wenn ihr nicht umkehrt.“ ist Michas mahnende Botschaft. Doch Gott lässt nicht zu, dass sein Volk ganz vernichtet wird. Für den Rest gelten umfassende Verheißungen.

Unser Text ist wie ein Psalm – ein Gebet. Es beschreibt Gottes großartige Bereit-schaft zu vergeben. Gott verzichtet auf sein Recht, von den Menschen Wiedergut-machung zu bekommen für die vielen Verletzungen seiner Ehre; ihre zahlreichen Dummheiten, den Missbrauch seiner Schöpfung und des eigenen Lebens.

Gott, der Vater im Himmel, Vater von Jesus Christus, ist kein Erbsenzähler. Er zählt nicht, wie oft er schon vergeben hat. Er vergibt immer wieder. Zerstört den Kredit, den wir bei ihm aufgenommen haben – und versenkt alle unsere Zielverfehlungen (Sünden) in den Tiefen des Meeres.

Gnade ohne Ende…?       Ja und Nein lautet meine Antwort.

Einige „Ja… – Zitate“

„Seine Gnade währt ewig!“ mehrmals finden wir dieses klare Bekenntnis bereits im AT. Z. B. bei Tempeleinweihung (2 Chr. 5,13) oder in verschiedenen Psalmen. In Psalm 118 5 x und Psalm 136 sogar mehr als 25 x „Seine Gnade währt ewig!“

In Ps 30,6 lesen wir: sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade.

Und in Ps 103,8 + 9: Barmherzig und gnädig ist der HERR, langsam zum Zorn und groß an Gnade. Er wird nicht immer rechten, nicht ewig zürnen. (Elberfelder)                  – „nicht ewig zornig bleiben“ (Luther)

Und in Psalm 103: 17 … die Güte Jahwes hat ewig Bestand, für immer gilt sie jedem, der ihn ehrt, und sein Erbarmen betrifft auch noch Kinder und Enkel, 18 ja alle, die sich an seinen Bund halten und seine Weisungen bedenken, um sie zu tun.

+ Aha, Gottes Gnade ist wirklich zeit- und endlos, aber nicht für jeden.

Es gibt also auch ein Nein auf die Frage: Gnade ohne Ende?

Für alle, die nicht hören und nicht umkehren wollen, hat Gottes Gnade ein Ende.

Ein paar Stellen dazu (zur Antwort „NEIN“):

Paulus wirbt die Christen in Korinth (2Kor 6,2): Siehe, jetzt ist die hochwillkommene Zeit (die Zeit der Gnade), siehe, jetzt ist der Tag des Heils. (Passt auf! Irgendwann ist sie für immer vorbei.)

Noch deutlicher wird Jesus in seiner Rede an die Schriftgelehrten und Pharisäer in Mt. 23,13 ff. Sie zeigen sich unbelehrbar; sind uneinsichtig und lehnen rigoros ab, dass Jesus als Sohn und Beauftragter Gottes auf diese Erde gekommen ist. Am Ende (Vers 33) bilanziert Jesus:

Ihr Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?

Das sind harte & klare Worte. Hier wird deutlich spürbar. Gottes gerechter Zorn beinhaltet richterliches und strafendes Handeln. Wer bis an sein Lebensende nicht an Jesus glaubt, den wird Gottes vernichtendes Urteil treffen.

Joh 3,36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben. Wer dem Sohn aber nicht vertrauen will, wird das ewige Leben nie zu sehen bekommen, denn Gottes Zorn wird auf ihm bleiben.

Er geht für immer verloren…

– Ob Gottes Gnade für Dich und mich kein Ende hat, entscheidet sich an unserer Einstellung und an unserem Verhalten. Gottes Gnade hat kein Ende, gilt für alle, die

  1. ihr Fehlverhalten erkennen,
  2. Gott um Vergebung bitten und
  3. von Herzen nach seinem Willen leben wollen.

Bevor wir gleich das Abendmahl miteinander feiern, lasst uns noch kurz eine Erfahrung Davids mit der Gnade Gottes anschauen.

Aus Eitelkeit im Alter hat David sein Volk in große Not gestürzt. David wollte seine militärischen Muskeln fühlen und ließ alle seine Soldaten zählen, obwohl er wusste: Das ist töricht. (vgl. 2 Sam 24,10) Eine Armeestatistik, die sein Gottvertrauen unter-gräbt. Sein Heerführer Joab riet ihm sehr davon ab. Aber David ließ trotzdem zählen.

Gott ließ das David nicht einfach durchgehen. Schwere Konsequenzen trafen alle. Der Prophet Gad kam zu David. Schnell spürte David, dass er auch mit der stärksten Armee nicht alles in der Hand hat. (Heute genauso: Selbst wenn medizinisch bestens ausgestattet sind oder eine der erfolgreichsten Wirtschaften haben.)

Vermutlich hat David das in Ps 30, 7 – 8 reflektiert: Ich zwar dachte in meiner Sorg-losigkeit: „Niemals werde ich wanken.“ HERR, in deiner Gunst hattest du mich auf feste Berge gestellt. Du verbargst dein Angesicht, da wurde ich bestürzt.

David hatte die Wahl zwischen drei Übeln: Sieben Jahre Hungersnot / 3 Monate Flucht vor deinen Feinden oder 3 Tage Pest.

David sprach zu Gad: Es ist mir sehr Angst, aber lass uns in die Hand des HERRN fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß; ich will nicht in der Menschen Hand fallen. (2 Sam 24,14)

David wählte die 3 Tage Pest. Die Seuche nahm einen schweren Verlauf. David sah, wie sich ein Engel Gottes, der die Strafe vollzog, Jerusalem näherte. Viele waren bereits gestorben. David wurde noch mehr Angst und Bange. Dann kam der Prophet Gad wieder zu ihm. „Bringe Gott ein Opfer auf der Tenne Araunas.“ lautete sein Auftrag. Jetzt folgt David wieder den Anweisungen Gottes. Er kauft diesen Dreschplatz, ebenso Opfertiere und alle Material. In 2 Sam 24, 25 steht:

Er baute dort einen Altar für Jahwe und opferte Brand- und Heilsopfer. Da ließ Jahwe sich für das Land erbitten und machte der Seuche in Israel ein Ende.

Gott zieht die drei Tage Strafe nicht mit der Stoppuhr durch, sondern macht dem ganzen schon vorher ein Ende, denn: David war zur Einsicht gekommen und hatte sich Gott ganz neu zugewandt: betend, bekennend, bittend, opfernd …

Später ließ sein Sohn Salomo an dieser Stelle den Tempel Jahwes, des Gottes Israels errichten. Dort wurden Gott unzählige Opfer gebracht, alle mit dem stillen Hinweis auf das eine Opfer, das Gott selbst bringen würde, um uns Menschen von unserer Sünde zu retten.

Christus, sein Sohn. Er wurde für die Schuld dieser Welt – auch Deine und meine – mit dem Verbrechertod am Kreuz bestraft. Gott hat dort für alle Zeiten gezeigt: ER ist einzigartig – vor allem im Bereich der Vergebung! Für jeden, der dieses Geschenk annimmt, hat Gottes Gnade kein Ende.

                                                                                                                                              AMEN!