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Andacht zum Sonntag 26.04.20, Baptistengemeinde Ilmenau: Follower gesucht

Liebe Schwestern, liebe Brüder und liebe Freunde der Gemeinde!

Für den heutigen Sonntag ist uns ein Text gegeben, der scheinbar nicht in unsere Zeit passt.

Der Text ruft uns auf, Jesus nachzufolgen und uns an sein Leben und Sterben zu erinnern. Das muss Folgen haben. Jesus sucht Nachfolger die sich dieser Aufgabe stellen und die sich berufen fühlen, anderen Menschen von diesem Glauben zu erzählen, von diesen Erfahrungen im Glauben, die durchs Leben tragen.

Der Text steht in 1. Petrus 2, 21b – 25

„Auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Fußspuren folgt. Er hat keine Sünde begangen und kein unwahres Wort ist je über seine Lippen gekommen. Er wurde beleidigt und schimpfte nicht zurück, er litt und drohte nicht mit Vergeltung, sondern überließ seine Sache dem, der gerecht richtet. In seinem Körper hat er unsere Sünden auf das Holz hinaufgetragen, damit wir – für die Sünden gestorben – nun so leben, wie es Gott recht ist. Durch seine Striemen seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie Schafe, die sich verlaufen haben. Jetzt aber seid ihr zu eurem Hirten, dem Hüter eurer Seelen, zurückgekehrt.“  (Übersetzung NeÜ)

Jesus hat Gleichnisse erzählt. Er wollte, dass der Sinn den Menschen, die ihm nahe standen, nicht unverborgen bleibt. Die Bibel ist ein Buch des Lernens. Sie spricht in wundervoller Weise zu uns und will uns helfen unser Leben zu gestalten. Eine neue Freiheit sollten wir durch sie gewinnen. Dieses Buch und die Lebensgeschichte Jesu will uns zeigen, wie wir in unserem Glauben wachsen können.

Christus macht Menschen zu Jüngern. Er und seine Jünger verbringen viel Zeit miteinander. Die Mahlzeiten nehmen sie gemeinsam ein. Sie sind sehr eng beieinander und das würde uns in der heutigen Zeit Angst machen. Jesus hat bewusst Leute ausgewählt, die einen Knick in ihrer Karriere haben. Da waren Gescheiterte, Zweifler, Lügner, Betrüger. Jesus war sich nicht zu schade, sich in so eine Gesellschaft zu begeben.

Auch hat er oft Leute in ihren Häusern aufgesucht, die in der Gesellschaft keinen guten Stand hatten. Außenseiter, Zollbeamte etc. Ich glaub die Zeitung mit den großen Buchstaben hätte viel Negatives über ihn geschrieben.

Jesus Christus hat uns ein Vorbild hinterlassen. Wir sollten von ihm lernen. Nie sind aus seinem Munde betrügerische Reden gekommen. Er hat keine verbale Gewalt ausgeübt als er angefeindet und geschmäht wurde. Nie hat er Drohungen oder Flüche ausgestoßen als andere ihm Gewalt zufügten.

Aber zornig ist er auch einmal geworden, als die Menschen den heiligen Tempel für ihre Geschäfte missbraucht haben. Das war ein heiliger Zorn, weil die Leute Gott auf besondere Weise missachtet haben.

Jesus hat die Menschen nie zu einer Entscheidung gegen ihren Willen gezwungen. Die Freiheit hat er ihnen immer gelassen. Sie sollten selbst erkennen auf welchem Weg sie sich befinden. Lernen sollten sie, was ein heiliger Lebenswandel bedeutet. Wie sie sich vor Gott und den Menschen verhalten sollten. Zu dienen ohne Vorbehalte in demütiger Bereitschaft. Die schwierigste Aufgabe ist, dem Teufel und seinen dunklen Mächten entgegenzutreten.

Den Fußspuren von Jesus folgen!

Als Kinder haben wir oft im Winter so ein Spiel gemacht. Wir sind dem Vater im Schnee so gefolgt, dass wir in seinen Spuren gelaufen sind. Aber da war klar, dass seine Schritte nicht ganz die unseren waren, weil er viel längere Beine hatte. Auch sind wir manchmal seitlich ausgewichen, weil wir nicht die Balance halten konnten. So entstand ein seltsames Bild einer Spur. Die Spur verwischte teilweise und so war es für alle ersichtlich, dass jemand anderes die gleiche Spur benutzt haben musste.

In unserem Sonntagstext wird darauf verwiesen, Christus und seinen Spuren zu folgen. Die Geschichte aus unserer Kindheit zeigt uns ein Bild von den Schwierigkeiten, die uns erwarten können. Das ist keine leichte Aufgabe. Alles was wir für Jesus tun, wird von unserer Persönlichkeit gefärbt. Wir können das nicht verhindern wenn das Bild der Spur verwischt erscheint, oder wir zeitweise neben der Spur laufen, weil uns die Balance fehlt.

Jünger Jesu bleiben Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten. Das muss uns nicht entmutigen. Unsre Herzenseinstellung wird aber offenbar, wenn wir ihm nachfolgen. All unser Versagen im Leben muss uns nicht runterziehen, denn Jesus hat unsre Schuld ans Kreuz getragen. Deshalb können wir immer wieder neuen Mut fassen. Das ist ja das, was die kleinen Kinder als erstes lernen – immer wieder aufstehen.

„Denn Gott bewirkt den Wunsch in euch, ihm zu gehorchen, und gibt euch auch die Kraft, zu tun was ihm gefällt.“ Phil. 2,13

Unser treuer Gott und liebevoller Vater ist überaus fähig und bereit, uns zu helfen. Wir stehen in unserem Leben vor vielfältigen Aufgaben. Manchmal erscheint der Berg sehr hoch der erklimmt werden will. Aber wir können darauf vertrauen, dass der Herr uns hilft.

„Und er hat die Macht, alle Gaben über euch auszuschütten, so dass ihr nicht nur jederzeit genug für euch selbst habt, sondern auch noch anderen reichlich Gutes tun könnt.“ 2. Kor. 9,8

Nachfolger Jesu lernen seine Worte zu akzeptieren. Seine Werte weiter zu tragen. Auch lernen wir das Aufgeben von Dingen, die uns lieb und teuer waren. Loslassen, was uns bindet und unsere Zeit frisst. Es gibt kein Anrecht auf Erfolg. Es wird uns nicht alles gelingen. Auch die Entfremdung in der Familie ist möglich. Da wird so mancher Riss zutage treten. Nachfolge Jesu heißt auch Misserfolge einstecken. Weitermachen trotz Rückschlägen.

Unsere Bibel sagt uns die Wahrheit ungeschminkt. Wenn wir glaubwürdig sein wollen, müssen wir Jesu Aussagen vertreten. Gegen die Wahrheit ist auf Dauer nichts zu machen. Auch nicht durch Mehrheitsentscheidungen. Für das was wir erstreben, ist die Großwetterlage denkbar ungünstig. Denn es herrscht heute ein ungenierter Individualismus.

„Der Ich-Kult wird überall als Befreiung verkauft. Er spricht: meine Befindlichkeit, meine Persönlichkeit, meine Karriere, meine Profilierung, meine Beliebtheit, meine Bekanntheit! Leider, nichts anderes. Meine Meinung, aber auch nur meine Meinung von heute, schon mein Geschwätz von gestern schert mich nicht, noch weniger die Bibel von vorgestern!“ (A. Pohl)

Nachfolge bedeutet das Kreuz Christi und seine Vergebung anzunehmen. Deswegen sind wir von der Sünde befreit. Sie hat keine Herrschaft mehr über uns. Die Trennung von Gott ist zu Ende.

Jesus ruft uns in seine Nachfolge. Er verschweigt den Preis darüber nicht. Er will, dass wir uns auf den Weg machen, um neue Jünger für ihn zu finden und zuzurüsten, stark zu machen für das Leben.

Ein Segen (Paul Weismantel)

Gott spricht: Ich bin da
In das Dunkel deiner Vergangenheit und in das Ungewisse deiner Zukunft,
in den Segen deines Helfens und in das Elend deiner Ohnmacht
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

In das Spiel deiner Gefühle und in den Ernst deiner Gedanken,
in den Reichtum deines Schweigens und in die Armut deiner Sprache
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

In die Fülle deiner Aufgaben und in die Leere deiner Geschäftigkeit,
in die Vielzahl deiner Fähigkeiten und in die Grenzen deiner Begabung
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

In das Gelingen deiner Gespräche und in die Langeweile deines Beten,
in die Freude deines Erfolges und in den Schmerz deines Versagens
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

In die Enge deines Alltags und In die Weite deiner Träume,
in die Schwäche deines Verstandes und in die Kräfte deines Herzens
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

Amen

Egmont Stürzkober